Die Zukunft digitaler Zahlverfahren

Bezahlung als unsichtbarer Schritt im Kaufprozess mit Mehrwerten als Zusatzbonus

Welche Payment Lösungen werden sich durchsetzen? Welche Anbieter werden künftig die Nase vorn haben? Was kann Mobile Payment, was Karten oder Bargeld nicht können? … Diese und andere zentrale Fragen rund um das Thema Bezahlen stellte Andre Standke als Moderator den Teilnehmern des Panels ‚ Payment-Solution I Self-check Out ‘ letzte Woche auf der LOCA Konferenz in München.

Jens Kohnen (Dr. Thede Consulting) startete mit einem Marktüberblick des POS und E-Commerce Marktes und beschrieb den Status quo und Best Practices von bereits existierenden Zahlverfahren. „Wenn es um die Diskussion der ‚idealen‘ digitalen Bezahllösung geht, sollten stets die Bedürfnisse der Kunden im Vordergrund stehen“, sagte Kohnen, und entsprechend wurden die Erfolgsfaktoren von Payment-Lösungen vorgestellt. Starke Marken können Mobile Payment sowohl zur Bindung von Kunden als auch zur Lösung eigener Probleme nutzen. Dies macht Starbucks mit seiner Prepaid Mobile Payment Lösung aktuell vor. Starbucks reduziert damit die eigenen Transaktionskosten und bietet gleichzeitig seinen Kunden einen echten Mehrwert, dadurch dass der ‘Bestellprozess‘ aus Kundensicht deutlich vereinfacht wird und der Kunde effektiv Zeit spart. Bei dieser Lösung steht nicht das Payment im Fokus, sondern die Prozessoptimierung aus Händler und Kundensicht.

In einem Exkurs betrachtete er die Nutzung von Kundendaten als Erlöstreiber für Zahlverfahren und warf einen Seitenblick in den Mobilitäts-Bereich, wo es bereits erste Beispiele für übergreifende Zahlverfahren gibt. Dies machte deutlich, dass Anbieter von Mobile Payment Lösungen nicht zwingend Technologie-Hersteller oder Banken sein müssen, sondern oft einfache Produkt- oder Service-Anbieter sind, die ihren Kunden ein integriertes Zahlverfahren am Rande der eigentlichen Dienstleistung bzw. des Produktes anbieten wollen. Ferner zeigen sich die Geschäftsmodelle besonders erfolgreich, bei denen Payment weitestgehend aus der Wahrnehmung verschwindet und als Funktion im Hintergrund funktioniert.

Benjamin Burghard (METRO) stellte anschließend Zahlverfahren aus der Sicht des Handels vor. Mit einem Blick zurück auf Beispiele (auch eigene Tops & Flops), die nicht funktioniert haben (weil sie sich vorrangig auf Technik, nicht aber auf den Kunden konzentriert haben), ging dann der Schwenk auf Innovationsprozesse, die sich mehr nach den Kunden ausrichten, die Mehrwerte schaffen und ‚Probleme lösen‘. Aktuell findet in der gesamten metro-Gruppe der Roll-out von NFC-fähiger Terminals statt, so dass Apple Pay für Kunden aus den USA oder Großbritannien bereits jetzt in Teilen nutzbar ist.

Jörn Leogrande (Wirecard) stellte ‚die bunte, neue Welt des Zahlungsverkehrs‘ vor. Er vertrat die These, dass Payment künftig in allen Devices stecken wird. NFC in Verbindung mit HCE (Host Card Emulation) bieten hierfür die geeignete Infrastruktur für das Internet of Things oder Payment Devices. Ob dies nun in Form von Datenbrillen, Payment-per-Ring, NFC-Chips im Ärmel und noch vieles mehr. Auch für Händler werde Mobile Payment erst dann interessant, wenn es die Arbeit an der Kasse nicht komplizierter macht und mehr Arbeit generiert, anstatt Zeit zu sparen. Wichtig für eine ideale Lösung seien weiterhin die Verknüpfung von POS und E-Commerce sowie die Einbindung von Mehrwerten. In UK greift Apple die möglichen Erträge vollständig ab, dies ist jedoch für deutsche Banken kein Business Case und damit unattraktiv.


Andre Standke, Geschäftsführer Dr. Thede Consulting, schloss das Panel mit einer Aufforderung an alle ab: Wir müssen immer zuallererst die Kundenperspektive einnehmen und uns die Frage stellen, welche Probleme und Wünsche die Kunden beim Check-out-Prozess haben, für die sie eine möglichst unsichtbare, schnelle und im besten Falle coole ganzheitliche Lösung wünschen.“

Sehen Sie hier unseren Vortrag zum Thema: LOCA Vortrag TC.